Die Ethnopharmakologie bezeichnet die Wissenschaft, die versucht, das Heilwissen fremder Naturvölker für unsere Bedürfnisse zu nutzen.
Die wenigen noch auf der Erde lebenden Naturvölker drohen im Verlauf der nächsten Jahre oder Jahrzehnte zu verschwinden. Mit ihnen wird das uralte Wissen über heilende Pflanzen- und auch Tierextrakte untergehen. Die “Wiederentdeckung” heilender Pflanzen und natürlicher Arzneien würde viel Zeit und vor allem auch viel Geld kosten, so dass die pharmazeutische Industrie in den vergangenen Jahren erhebliche Aufwändungen unternommen hat, das Wissen der indigenen Völker zu speichern und entsprechend in moderne Medizin umzusetzen.

Der größte Teil der Ethnopharmakologie dreht sich um pflanzliche Wirkstoffe, die man auch als Drogen bezeichnen könnte. Pflanzendrogen bilden den Rohstoff zahlloser uns geläufiger Medikamente, so etwa die Acetylsäure, die als Aspirin geläufig ist, das Curare-Gift oder die Alkaloide sowie zahllose Substanzen, die bei Herzproblemen zum Einsatz gebracht werden.

Speziell die Regenwälder Amazoniens und Ozeaniens bieten mit ihrer ungeheuren unerforschten Artenfülle womöglich riesige Möglichkeiten, heilende Pflanzen und Kräuter zu entdecken und mit Hilfe des überlieferten Wissens der noch vorhandenen indigenen Bevölkerung die entsprechenden Heilsubstanzen zu extrahieren und so zu dosieren, dass die heilende Wirkung die meist schädliche Wirkung von Pflanzendrogen übersteigt.
In die öffentliche Diskussion geraten ist die Ethnopharmakologie in jüngerer Zeit: Vor allem amerikanische Unternehmen versuchen, Gesetze durchzusetzen, die es einem Pharmaunternehmen gestatten würden, ein Patent auf eine Pflanze und deren Wirkstoffe anzumelden. Entsprechende Gesetzesvorlagen sind in den USA bereits erfolgreich verabschiedet worden.

In der Realität bedeutet dies einerseits, dass eine Firma aus einem fernen Land einerseits Anspruch auf die Naturschätze eines anderen Landes erheben kann, die zunächst der gesamten Welt gehören sollten.

Andererseits würde es das Wissen der Urvölker als Eigentum eines anonymen Konzerns mit reinen Profitinteressen definieren. Neben der moralischen Anzweifelbarkeit solcher Gesetze stünden damit rechtliche Fragen im Raum: Hat das Urvolk etwa Schadensersatz an US-Bürger zu leisten, falls das Medikament seine Wirkung verfehlt?

Die Ethnopharmakologie ist vor dem Hintergrund der schwindenden Artenvielfalt und der Zerstörung des Lebensraums der indigenen Völker ein heikles Thema. Es wäre wünschenswert, wenn die verantwortlichen Regierungen sich dessen bewusst wären.

0 Kommentare